Aktionstag „Pflanzen schützen und der Umwelt nützen“

Mit landesweitem Aktionstag informieren Landwirte zu „chemischem Pflanzenschutz“

In Leveste (Gehrden) luden die Calenberg-Bredenbeck GbR und das Landvolk Hannover Landtags- und Regionsabgeordnete ein, um auf einem Rübenacker unterschiedliche Methoden zur Unkrautregulierung zu diskutieren. Die Veranstaltung fand im Rahmen des landesweiten Aktionstages zum Thema Pflanzenschutz statt.

Unkräuter, Schadinsekten und Krankheiten an Pflanzen oder auf dem Acker – das schmälert nicht nur den Ertrag, sondern mindert noch mehr die Qualität der Ernte. Insbesondere Pilze als Schaderreger können sogar für den Menschen gefährliche Stoffe enthalten. Aflatoxine in Schimmelpilzen oder Alkaloide in Mutterkornsporen können beim Verzehr erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben. „Natur ist nicht unbedingt nur gut, Chemie nicht immer nur schlecht“, verdeutlicht Volker Hahn, Vorsitzender des Landvolks Hannover. Er spricht vielmehr von einem sorgfältigen Abwägungsprozess. Landwirte entscheiden sich für chemischen Pflanzenschutz nach den Vorgaben der guten ackerbaulichen Praxis und dem Schadschwellenprinzip. Sie nutzen die Präparate so wenig wie möglich, aber auch so viel wie nötig. „Ganz ohne die Unterstützung des chemischen Pflanzenschutzes können wir in unserem Klima keinen Ackerbau betreiben“, fasst Hahn zusammen. Diese und viele andere Argumente werden heute landesweit am Feldrand ausgetauscht.

Nicht immer zielt chemischer Pflanzenschutz nur darauf ab, Schaderreger auszuschalten oder Unkrautkonkurrenz, die zu Lasten des Ertrages geht, einzudämmen. So hat beispielsweise die chemische Unkrautregulierung noch andere Vorteile. Landwirte nutzen sie zur Verhinderung von Bodenverlusten durch Wind- oder Wassererosion. Dies trifft für die sogenannte Mulchsaat zu. „An hängigen Feldern wie im südniedersächsischen Bergland ist der blanke Ackerboden extrem anfällig für Schäden durch Wassererosion. Ein heftiger Regenguss kann die Ackerkrume großflächig abspülen“, schildert Hahn. Daher entscheiden sich Landwirte dort häufig für die Mulchsaat und verzichten auf den Pflug zur Bodenbearbeitung. Der Pflanzenbewuchs bildet dann eine fast verfilzte humose Auflage. Sie schützt den Boden, aber sie muss in einem Streifen mit einem Totalherbizid, zu denen das in der Öffentlichkeit umstrittene Glyphosat zählt, auch wieder Platz schaffen für die erneute Aussaat. Diese benötigt Licht und Luft, damit sie sich in der Pflanzendecke etablieren und gedeihen kann. „In diesem Fall dient der Herbizideinsatz eindeutig dem Umweltschutz“, stellt Hahn heraus. In anderen Fällen, zum Beispiel bei witterungsbedingt spätem Pilzbefall, steht der gesundheitliche Verbraucherschutz eindeutig im Vordergrund. Über Pilzkrankheiten können bei Getreide Aflatoxine in das Erntegut übergehen, Getreidekörner werden daher bei entsprechenden Witterungslagen gegen Pflanzenkrankheiten geschützt.

„Unkraut vergeht nicht“ sagt ein altes Sprichwort. Mit dem Spruch und vielen Informationen zum chemischen Pflanzenschutz informieren Schilder an Feldrändern darüber, welche Konsequenzen mit einem vollständigen Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz verbunden sind. Dort wurden sogenannte Nullparzellen angelegt und auf einem kleinen Feld innerhalb des Ackers vollständig auf Pflanzenschutzmaßnahmen verzichtet. Unkräuter, Schadinsekten und Pflanzenkrankheiten haben dort freie Bahn. Jeder Betrachter und jede Betrachterin können selbst urteilen, ob ihnen die Ernte von einer solchen Fläche im wahrsten Sinne des Wortes „schmecken“ würde. Der Aktionstag möchte zur offenen Diskussion über chemischen Pflanzenschutz einladen. Es steht der Dialog im Vordergrund, Landwirte wollen ihre Argumente vermitteln und zugleich neue Impulse aufnehmen. „Wenn die fachlich-wissenschaftliche Expertise staatlicher Zulassungsbehörden keine Relevanz in der öffentlichen Debatte mehr hat und Landwirte persönlich angegangen werden, weil sie mit ihrer Feldspritze unterwegs sind, dann ist es höchste Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt Hahn und fügt an: „Nichts ist so gut, dass es nicht verbessert werden könnte. Das gilt auch für den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln.“ Er stellt jedoch unmissverständlich klar: „Gleichwertige und ökologisch sinnvolle Alternativen dürfen weder zu Ertrags- oder Qualitätseinbußen führen, noch Arbeitsaufwand und Kosten exorbitant in die Höhe treiben. Bislang gibt uns diese Zusage leider niemand.“