Blühstreifen und Lerchenfenster: Für mehr biologische Vielfalt in der regionalen Agrarlandschaft

Gemeinsames Projekt von Region, Landvolk und Stiftung Kulturlandpflege startet

Blühstreifen, auf die Bienen und Hummeln fliegen, Stoppelbrachen als Futterquelle für Feldhamster oder Altgrasstreifen als Lebensraum für Feldhasen und Wiesenvögel: Um dem Rückgang der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft entgegenzuwirken, haben die Region Hannover, das Landvolk Hannover und die Stiftung Kulturlandpflege ein gemeinsames Projekt verabredet: In Zusammenarbeit mit rund 90 landwirtschaftlichen Betrieben aus der ganzen Region werden auf fast 120 Hektar eine ganze Reihe unterschiedlicher Naturschutzmaßnahmen umgesetzt. Von der Region Hannover fließen hierfür Fördermittel. Auf dem Hof der Familie Schmidt-Nordmeier in Langenhagen wurde das Projekt Anfang Juli vorgestellt. Auf den Ackerflächen des Betriebes in Krähenwinkel sind Blühflächen mit Honigtracht, Feldlerchenfenster und Rebhuhnstreifen angelegt worden.

„Die Situation der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft hat sich deutlich verschlechtert, besonders stark betroffen sind Vögel und Insekten. Aber auch Grünland, Wiesen und Weiden stehen unter Druck und mit ihnen viele gefährdete Arten der Farn- und Blütenpflanzen“, sagte die Umweltdezernentin der Region Hannover, Christine Karasch: „Nur mit einem besonderes Engagement der Landwirte kann das Ziel erreicht werden, den Schutz, den Erhalt und die Pflege der Arten und Ökosysteme zu gewährleisten. Gemeinsam entwickeln wir Maßnahmen, die dem Naturschutz dienen und gleichzeitig praxistauglich und wirtschaftlich tragfähig für unsere Partner sind. Hierfür stellt die Region Hannover im laufenden Jahr 150.000 Euro als Entgelt für die Leistungen der Landwirte zur Verfügung.“

„Die Verbesserung der biologischen Vielfalt in unserer Kulturlandschaft ist eine aktuell drängende Aufgabe“, betonte auch der Vorsitzende des Landvolks Hannover, Dr. Holger Hennies: „Das Biodiversitätsprojekt von Region Hannover, Landvolk Hannover und Stiftung Kulturlandpflege soll dazu beitragen, die Biodiversität in der Agrarlandschaft in der Region Hannover in Kooperation mit den regionalen landwirtschaftlichen Betrieben zu fördern und zu verbessern. Entstanden ist die Idee aus der gemeinsamen Überzeugung, dass ein Vertragsnaturschutz auf Augenhöhe ein geeignetes Instrument ist, die Artenvielfalt in der Region Hannover zu fördern“.
Ziel ist die Umsetzung von unterschiedlichen Biodiversitätsmaßnahmen auf möglichst vielen landwirtschaftlichen Betrieben. Profitieren sollen dabei unter anderem die heimischen Feldvögel, Insekten, Feldhamster und Hasen.

Innerhalb kürzester Zeit konnte das Landvolk Hannover rund 90 Betriebe in der Region für das gemeinsame Vorhaben begeistern, so dass es heute auf mehr als 120 Hektar landwirtschaftlicher Betriebsfläche kreucht und fleucht, blüht und summt.
Mit Hilfe der Stiftung Kulturlandpflege wurde eine Fülle von Maßnahmen entwickelt, mit denen sich die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft verbessern lässt, beispielsweise die Anlage von Blühstreifen, Feldvogelinseln, Staffelmahd auf Grünlandflächen oder Maßnahmen für den Feldhamster. Es sind im Einzelnen:

• Blühstreifen und Blühflächen zur Förderung von Insekten
• Brachestreifen auf mageren Standorten, vorrangig an Gewässer- und Waldrändern, zur Förderung von Feldvögeln und Insekten
• Stoppelbrache in der Feldhamsterkulisse der Region Hannover zur Förderung des Feldhamsters
• Rebhuhnstreifen unter Nichterntung von Weizen zur Förderung des Rebhuhns
• Anlage von Feldlerchenfenstern in Getreide zur Förderung der Feldlerche
• Anlage von Erbsenflächen innerhalb von Raps-, Mais-, Rüben- und Getreidekulturen zur Förderung von Feldlerchen und Schafstelzen
• Grünlandextensivierung (Altgrasstreifen) zur Förderung von Feldhase und Wiesenvögeln
• Grünlandextensivierung (Staffelmahd) zur Förderung der Wiesenvögel

„Nachdem die Regionsversammlung im späten Winter die Freigabe von Mitteln für das Biodiversitätsprojekt beschlossen hatte, war es ein Wettlauf mit der Zeit, die Maßnahmen noch im laufenden Anbaujahr auf die Fläche zu bringen“, beschreibt Björn Rohloff, Projektkoordinator und stellvertretender Geschäftsführer bei der Stiftung Kulturlandpflege, die gemeinsame Arbeit der vergangenen Wochen. „Die große Herausforderung konnte auch deswegen gemeistert werden, weil die Stiftung Kulturlandpflege über langjährige Erfahrung im Vertragsnaturschutz mit der Landwirtschaft verfügt und alle Beteiligten an einem Strang gezogen haben.“ Die Stiftung übernehme zugleich die Dokumentation der Naturschutzmaßnahmen und Ergebnisse.
Die hohe Beteiligung belegt die Bereitschaft und das Engagement der Landwirte für den Naturschutz, betont das Landvolk Hannover. Für Landvolk und Stiftung ist es Ziel und Herausforderung zugleich, den Vertragsnaturschutz mit der Landwirtschaft dauerhaft in der Region zu etablieren und auszubauen, indem weitere Landwirte für das Projekt gewonnen werden.

„Das Projekt wollen wir in den nächsten Jahren fortsetzen“, kündigte Dezernentin Karasch an: „Darüber hinaus werden wir prüfen, ob es Möglichkeiten zur Finanzierung im Rahmen des Bundesprogrammes Biologische Vielfalt, zum Beispiel im Aktionsprogramm Insektenschutz, gibt.“