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Aktuelles aus der Agrarförderung und Düngeverordnung

1. Die Nutzung von öVF-Brachen (NC 062) zur Futtergewinnung kann ab sofort beantragt werden.
Ab sofort kann ein Antrag auf Nutzung von öVF-Brachen (062) gestellt werden. Eine Nutzung ist jedoch erst nach dem Zeitraum der Anbaudiversifizierung ab 16.07.2020 und der erteilten Genehmigung durch die LWK möglich. Weitere Informationen und den Antrag finden Sie unter https://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/5/nav/19/article/34455.html , Webcode: 01035612

2. Modifikationsantrag öVF Zwischenfrucht
Bitte überprüfen Sie die Richtigkeit Ihrer Angaben zur Zwischenfrucht für die ökologische Vorrangfläche. Sollten sich Änderungen ergeben haben, denken Sie an den Modifikationsantrag. Dieser muss bis 1.10. gestellt werden. In diesem Jahr erfolgt die Änderung erstmalig in ANDI (https://sla.niedersachsen.de/andi-web/#/login). Die Funktion wird demnächst freigeschaltet.

3. Umgang mit Brachflächen
Aus der Erzeugung genommene Ackerflächen mit der Codierung 590/591 sowie Feldrandstreifen mit dem ÖVF-Code 058 dürfen vom 01.04. bis 30.06. des jeweiligen Antragsjahres nicht gemäht, gemulcht oder zerkleinert werden. Ab dem 01.07. ist das Mähen aus Sicht der Agrarförderung erlaubt, unter Berücksichtigung der Brut- und Setzzeit (01.04. bis 15.07.) allerdings erst ab dem 16.07. möglich. Die Bodenbearbeitung für die unmittelbar anschließende Aussaat einer Winterkultur ist ab dem 01.08. erlaubt. Die Aussaat einer Sommerung kann ab dem 01.01. des Folgejahres erfolgen. Anders ist dies bei Ackerflächen mit der Codierung 594/595 (einjährige bzw. mehrjährige Honigbrache). Im Zeitraum vom 01.10. bis 15.11. des Antragsjahres ist das Mähen und Zerkleinern zulässig. Bei mehrjährigen Honigbrachen darf dieses aber erst im zweiten Jahr nach Anlage erfolgen. Die einjährige Honigbrache darf ab dem 01.10. bearbeitet bzw. umgebrochen werden, wenn eine Winterung folgt. Folgt eine Sommerung, ist dieses erst ab dem 01.01. des Folgejahres erlaubt.
Bei Abschluss von Maßnahmen im Rahmen unseres Biodiversitätsprojektes mit der Region Hannover und der Stiftung Kulturlandpflege können die oben genannten Fristen abweichen, hierzu beachten Sie bitte die im Vertrag stehenden Auflagen des Bewirtschafters.

4. Herbstdüngebedarfsermittlung
Mit Inkrafttreten der novellierten Düngeverordnung am 1. Mai 2020 sind weitere einschränkende Vorgaben für die Bemessung der Herbstdüngung zu beachten. Die grundsätzlichen Vorgaben des Vorjahres bleiben bestehen. Die Sperrfrist für N-haltige Dünger auf Ackerland beginnt weiterhin mit der Ernte der letzten Hauptfrucht und endet am 31. Januar. Abweichend von diesem Grundsatz dürfen auf Ackerland, ausschließlich nach Getreidevorfrucht, Stickstoffdünger bis zum 1. Oktober zu Zwischenfrüchten, Winterraps, Feldfutter und Wintergerste ausgebracht werden. Voraussetzung ist, dass eine Aussaat der Zwischenfrüchte, des Winterrapses und des Feldfutters bis zum 15. September und die Gerstenaussaat bis zum 01. Oktober vollzogen sein muss.
Neu ist die Regelung der Anrechnung des Stickstoffs aus der Herbstdüngung zu Wintergerste oder Winterraps auf den N-Düngebedarf im folgenden Frühjahr. Hierbei ist die Menge an verfügbarem Stickstoff, die nach Ernte der letzten Hauptfrucht bis zum Ablauf des 1. Oktober zu Winterraps oder Wintergerste aufgebracht wurde, vom N-Düngebedarf im Frühjahr abzuziehen.
Ab August kann der Herbstdüngebedarf mithilfe von ENNI (https://www2.meldeprogramm-niedersachsen.de/ENNI_LWKNDS_PR/Anmeldung.xhtml) ermittelt werden.
Weitere Informationen und Beispielrechnungen zur Anrechnung von verschiedenen organischen Düngern finden Sie unter https://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/96/nav/2207/article/35781.html, Webcode: 01036991

5. Dokumentation der Düngungsmaßnahmen gemäß § 10 Absatz 2 DüVo
Die Novellierung der Düngeverordnung ist seit dem 30.04.2020 in Kraft. Seitdem ist der Betriebsinhaber gemäß § 10 Absatz 2 verpflichtet, spätestens zwei Tage nach jeder Düngungsmaßnahme diese zu dokumentieren. Um dieser Pflicht nachzukommen, stellt die Düngebehörde der Landwirtschaftskammer Niedersachsen eine EXCEL-Anwendung als Arbeitshilfe zur Verfügung. Diese ist keine Pflichtanwendung. Sollte ein vorhandenes Programm z.B. Ackerschlagkartei auf dem Betrieb bereits die Vorgaben der Aufzeichnungspflicht gem. § 10 (2) DüVo erfüllen, kann dieses selbstverständlich zur Dokumentation herangezogen werden. Die Excel-Anwendung finden Sie unter https://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/duengebehoerde/nav/2207/article/35715.html, Webcode: 01036923

6. Agrardiesel
Am 30.09.2020 läuft die Frist für die Steuerentlastung (Agrardieselantrag für das Verbrauchsjahr 2019) ab. Antragseingänge nach dem 30.09. führen ausnahmslos zur Ablehnung. Der Poststempel reicht nicht aus! Das Formular 1142 (vereinfachter Antrag) bzw. 1140 (bei Änderungen bezüglich Betriebsart, Personenkreis oder auch bei Fahrzeugen/Maschinen erforderlich) ist ausreichend. https://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Steuern/Verbrauchsteuern/Energie/Steuerbeguenstigung/Steuerentlastung/Betriebe-Land-Forstwirtschaft/Antragsverfahren/antragsverfahren.html

Wenn Sie Fragen haben oder Unterstützung benötigen, wenden Sie sich gerne an unsere Berater!

Dorothee Möller, Montag bis Mittwoch, 0511/400787-28, moeller@landvolk-hannover.de
Alexander Burgdorf, Dienstag bis Donnerstag, 0511/400787-17, burgdorf@landvolk-hannover.de

Landvolk fordert mit Resolution an Klöckner Zurück bei der Düngeverordnung

L P D – „Wenn EU-Agrarkommissar Phil Hogan und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner schon einmal gemeinsam in Niedersachsen zu Besuch sind, dann müssen wir diese Gelegenheit einfach nutzen und den Unmut unserer Landwirte deutlich zum Ausdruck bringen“, erklärt Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke anlässlich der Protestaktion von Landwirten vor dem Herrenhäuser Schloss in Hannover. Schulte to Brinke überreichte eine Resolution an Klöckner, mit der das Landvolk eine weitere Verschärfung der Düngeverordnung ablehnt und das verantwortliche Ministerinnenduo Klöckner/Schulze zum Zurückrudern auffordert – und die Landwirte vor dem Schloss zeigten mit Schildern, Aktionen und Treckern ihren Frust.

„Ministerin Klöckner ist in der Vorgehensweise zu weit gegangen, ihre verschärften Vorschläge zur Düngeverordnung sind völlig überzogen“, sagte Landvolkpräsident Schulte to Brinke. Die Verantwortung für den Schutz von Grund- und Oberflächengewässern könne seitens der Landwirtschaft zweifelsfrei als Konsens vorausgesetzt werden, doch mit dieser Verschärfung werde Tausenden Betrieben die wirtschaftliche Basis entzogen, sollten die strengeren Regeln im Mai 2020 umgesetzt werden, führte Schulte to Brinke aus. Er verwies auf die 2017 novellierte und aktuell von den Landwirten konsequent umgesetzte Düngeverordnung. „Hier zeichnen sich bereits erste positive Entwicklungen ab, doch diese Düngeverordnung benötigt Zeit, um weiter wirken zu können“, verdeutlichte der Landvolkpräsident. So sei im Vergleich zum Vorjahr 13 Prozent weniger Stickstoffmineraldünger eingekauft worden, gegenüber 2016 der Mineraldüngereinkauf sogar um mehr als 23 Prozent zurückgegangen. Zusätzlich wurden Tierbestände – sowohl in der Schweine- als auch in der Rindviehhaltung – reduziert, und Landwirte optimierten zudem die Verwertung wirtschaftseigener Düngung, indem sie Gülle immissionsarm ausbringen und in Ackerbauregionen verbringen. Ein weiteres Anziehen der Stellschrauben an dieser Stelle sei schlichtweg kontraproduktiv. „Gerade die geforderte Reduzierung der Stickstoff-Düngung um 20 Prozent unter Bedarf führt nicht nur zur Mangelernährung unserer Nutzpflanzen und zum Humusabbau, sondern schwächt den ländlichen Raum insgesamt und wird viele konventionelle und auch ökologische Betriebe ruinieren, wenn weder Obst, Gemüse oder Weizen wirtschaftlich angebaut werden können“, erklärte Schulte to Brinke. Allein für Niedersachsen befürchtet das Landvolk Niedersachsen, dass jeder fünfte Hof aufgrund dieser Verschärfung aufgeben wird, sollte das von der Bundesregierung der EU unaufgefordert vorgelegte Maßnahmenpaket mit seinen Umweltzielen und Maßnahmen zum Gewässerschutz umgesetzt werden.

Das Landvolk Niedersachsen fordert deshalb Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner als fachlich verantwortliche Ministerin auf, ihre gemeinsam mit Umweltministerin Svenja Schulze eingebrachten und verschärften Vorschläge zurückzuziehen und stattdessen im Dialog mit der EU-Kommission die Erfolge der derzeit geltenden Düngeverordnung offensiv und deutlich zu kommunizieren. Diese Fortschritte gilt es sowohl gegenüber der EU als auch der Öffentlichkeit deutlich darzustellen. Sollten die Ergebnisse in einer ersten Bilanz – nach fünf Jahren – als noch nicht ausreichend eingestuft werden, wird sich die Landwirtschaft offen gegenüber etwaigen Nachjustierungen der derzeit gültigen Vorschriften zeigen. „Gute und für alle Seiten erfolgreiche Agrarpolitik geht nur in einem Miteinander. Wir Landwirte waren und sind weiterhin zum offenen Austausch auf Augenhöhe bereit. Aber Gewässer- und Klimaschutz, der landwirtschaftliche Höfe zum Aufgeben zwingt, kann nicht das Ziel einer nachhaltigen Agrar- und Umweltpolitik in Deutschland sein“, stellte Landvolkpräsident Schulte to Brinke abschließend fest.

Die Resolution zum Download finden Sie hier.

Die neue Düngeverordnung (DüVO): Kompakt zusammengefasst!

Wie bereits aus der Fachpresse zu entnehmen war, ist am 2. Juni 2017 die neue DüVO in Kraft getreten. Aktuell stehen die bundeseinheitlichen Vorgaben fest. Die einzelnen Bundesländer erstellen die Durchführungsverordnungen. Die für Niedersachsen wichtigen Einschränkungen bzw. Änderungen, die dringend zu Beginn des Wirtschaftsjahres 2017/18 bzw. nach der Ernte 2017 beachtet werden müssen, haben wir im Folgenden zusammengefasst:

 

A: Neue Sperrfristen für Düngemittel mit wesentlichem N-Gehalt
(organisch, organisch-mineralisch (z.B. Klärschlamm) und mineralisch):

  • Dezember – 15. Januar für Festmist von Huf- und Klauentieren sowie Kompost (Ausbringung unabhängig von Vor- und Hauptfrucht, aber nur, wenn ein Düngebedarf besteht)
  • Grünland, mehrjähriges Feldfutter: 1. November – 31. Januar
  • allgemein Ackerland: nach der Ernte – 31. Januar (Ausnahme: wenn N-Düngebedarf besteht, maximal bis 60 kg/ha Gesamt-N oder 30 kg Ammonium-N möglich:
    – bis 1. Oktober zu W-Raps, Zw-Früchte, Feldfutter (bei Aussaat bis 15.9.) oder zu W-Gerste nach Getreide (bei Aussaat bis 1.10.)
    – bis zum 1. Dezember zu Gemüse

 

B: Neue schriftliche Düngebedarfsermittlung

Vor dem Aufbringen von wesentlichen Nährstoffmengen (gemeint sind 50 kg N oder 30 kg P2O5/ha) ist der Düngebedarf der Kultur für jeden Schlag (Schlag-Nr. aus „ANDI-Anlage 1a“ verwenden) bzw. jede Bewirtschaftungseinheit schriftlich zu ermitteln, dies gilt auch für die anstehende Herbstdüngung. Die Düngebedarfsermittlung ist auf Verlangen den Prüfbehörden ab sofort in Schriftform vorzulegen.

Bei der N-Düngebedarfsermittlung müssen folgende Einflüsse berücksichtigt werden:

  • N-Bedarfswerte aus Tabellenwerten (der alte Begriff „N-Sollwert“ wird durch das Wort „Bedarfswert“ ersetzt)
  • Ertragsniveau des Betriebes im Durchschnitt der letzten 3 Jahre
  • N-min Gehalt des Bodens (Richtwerte oder eigene Analysen) -> Ackerkulturen
  • Rohproteingehalt im Durchschnitt der letzten 3 Jahre -> Grünland
  • Humusgehalt des Bodens
  • Nachlieferung aus organischer Düngung des Vorjahres
    (10 % der im Vorjahr aus organischen Düngern ausgebrachten Gesamt-N-Menge)
  • Nachlieferung aus Vor- und Zwischenfrucht
  • N-Düngemenge, die nach der letzten Nutzung im Vorjahr (d.h. im Herbst) ausgebracht wurde.

Bei der P-Düngebedarfsermittlung müssen Standort, Erträge und Qualität berücksichtigt werden. Ab einem Bodengehalt > 20 mg/100g Boden P2O5 ist eine Phosphatdüngung nur in Höhe der voraussichtlichen Abfuhr zulässig. Ziehen Sie aktuelle Bodenproben (P, K, Mg, pH-Wert). Die Bodenproben sind die Grundlage der Phosphatdüngung!

 

C: Nährstoffvergleich

Der Nährstoffvergleich (in der Regel Feld-Stall-Bilanz) muss nach wie vor bis zum 31.03. des Folgejahres vorliegen.

Ab 2018 sind voraussichtlich folgende Betriebe verpflichtet, eine sog. „Stoffstrombilanz“ (Hoftorbilanz) zu erstellen:

  • tierhaltende Betriebe mit > 50 GV oder > 30 ha und > 2,5 GV/ha
  • Biogasanlagen
  • tierhaltende Betriebe und gleichzeitiger Aufnahme von Wirtschaftsdüngern.

Die genauen Vorgaben zur Stoffstrombilanz sind aber noch nicht verabschiedet, hier kann es Änderungen geben, die wir abwarten müssen.

Stickstoffobergrenze für organische Dünger im Nährstoffvergleich:

Für organische Dünger besteht weiterhin die Obergrenze von 170 kg N/ha im Betriebsdurchschnitt. Neu ist, dass zukünftig alle organischen und organisch-mineralischen Düngemittel, auch Gärreste zu 100 % in die Berechnung mit einfließen. Ausnahme Kompost: innerhalb von 3 Jahren max. 510 kg Gesamt-N/ha.

Der zulässige N-Überschuss (3 Jahresmittelwert) im Nährstoffvergleich verringert sich im Jahr 2018 von + 60 kg auf + 50 kg, bei Phosphat (6 Jahresmittelwert) von + 20 kg auf  + 10 kg (bei Überschreitung verpflichtende Teilnahme an einer anerkannten Düngeberatung).

 

D: Meldeprogramm Wirtschaftsdünger Niedersachsen

Neu ab Juli 2017: Meldepflicht spätestens 1 Monat nach Abschluss einer Lieferung (auch Aufnehmer müssen Empfang bestätigen). Nährstoffgehalte sind verpflichtend bei jeder Meldung anzugeben, Importe aus anderen Bundesländern sind ebenfalls zu melden.

 

Unser Beratungsangebot

Um den Herausforderungen der neuen Düngeverordnung gerecht zu werden, möchten wir Ihnen zukünftig zusätzlich zum Nährstoffvergleich die Erstellung der Düngebedarfsermittlung für Ihren Betrieb anbieten. Wenn Sie Interesse an dieser Beratung haben, melden Sie diesen bitte bei uns an. Für weitere Fragen steht Ihnen Alexander Burgdorf (0511/400787-17, burgdorf@landvolk-hannover.de) gerne zur Verfügung.

Hier gelangen Sie zu den Tabellen für die Düngebedarfsermittlung.